Elektromobilität muss schön sein

Blog zur Tour 2019

VON UELZEN NACH WIEN AUF DEN SPUREN DER HUNDERTWASSER-ARCHITEKTUR

UELZEN – MAGDEBURG (11.7.) – WITTENBERG (12.7.) – SELB (13.7.) – ABENSBERG (15.7.) – LINZ (16.7.) – WIEN (17./18.7.)

Vom Hundertwasser Bahnhof Uelzen zum Kunsthaus Wien mit Elektroautos. Die rund 1.200 km lange Reise macht Station in Orten, in denen  der im Jahr  2000 verstorbene Künstler Friedensreich Hundertwasser als Baumeister aktiv war. Dazu gehört die 
Grüne Zitadelle in Magdeburg, das Luther-Melanchthon-Gymnasium in Wittenberg und die Rosenthal Fabrik in Selb.

Friedensreich Hundertwasser warb bereits 1972 in der legendären Samstagabend Show „Wünsch Dir was für Elektromobile. Die auf dem Uelzener Bahnhofsdach installierte PV-Anlage brachte den Umweltaktivisten Hundertwasser auf die Idee einer Solarrally. Mit Elektroautos sollte es von der norddeutschen Kleinstadt in die Hauptstadt Österreichs gehen. Im Jahr 1999 waren Elektroautos als Serienfahrzeuge nicht verfügbar und die Chancen alternativer Antriebe kaum präsent. Deshalb blieb die 
E-Auto-Tour „Uelzen – Wien“ im Jahr 1999 nur eine Idee.

ZWANZIG JAHRE SPÄTER …

Zwanzig Jahre später wird die Tour nachgeholt. Initiiert wurde sie von Raimund 
Nowak, der sich als Geschäftsführer der Metropolregion Hannover Braunschweig Göttingen Wolfsburg seit Jahren für die Elektromobilität engagiert. Er hat als Kommunalpolitiker in seiner Heimatstadt Uelzen vor der Jahrtausendwende gemeinsam mit Kollegen aus dem Rat und weiteren Unterstützern den Umbau des Uelzener Bahnhofs zum Umwelt- und Kulturbahnhof auf den Weg gebracht. Zur Weltausstellung EXPO 2000 entstand nach Entwürfen von Friedensreich Hundertwasser ein spektakuläres Architekturprojekt.

WAS HABEN DIE ARCHITEKTURPROJEKTE BEWIRKT?

Auf der Tour werden Architekturprojekte des weltbekannten Künstlers besucht und nach den Effekten für die Stadt gefragt. Im Mittelpunkt stehen dabei die ökologischen Motive Hundertwassers, die mit der Klimakrise deutlich an Aktualität gewonnen haben. Warum sind nicht mehr Dächer begrünt? Warum ist ein Solardach die Ausnahme und nicht die Regel? Warum sind Bahnhöfe nicht die zentralen Orte des Reisens? Auch darüber soll mit lokalen Akteuren gesprochen werden.

ELEKTROMOBILITÄT MUSS SCHÖN SEIN

Joram Harel von der Hundertwasser Stiftung Wien schreibt seinem Geleitwort für die die Tour: „Ökologische Technologie funktioniert nur im Einklang mit Schönheit.“ Die Fahrt zwischen Uelzen und Wien soll genutzt werden, die gestalterischen Aspekte der Elektromobilität zu thematisieren. Das Aussehen und die Platzierung von Ladesäulen, das Design von E-Fahrzeugen oder die Kennzeichnung von elektromobilen Einrichtungen.

START UELZEN: SCHÖNSTER BAHNHOF – SCHNELLSTE LADESÄULEN

In den Tour – Regionen wird nach dem lokalen Entwicklungsstand der Elektromobilität geschaut. Zum Start bietet Uelzen nicht nur den schönsten Bahnhof, sondern auch die ein herausragendes Angebot an Ladeinfrastruktur. Mit zehn High-Power-Chargern (150 kW) haben die Stadtwerke Uelzen ein innerstädtisches Schnellladenetz der Extra-Klasse aufgebaut.

Insgesamt soll auf der Tour auch nach den touristischen Potenzialen der Elektromobilität geschaut werden. Hier entwickelt die Metropolregion Handlungsempfehlungen für Kommunen und Tourismusbetriebe.

START 11. JULI 2019 – HUNDERTWASSER BAHNHOF UELZEN

Die Tour beginnt am 11. Juli 2019 mit einem Frühstück im Restaurant des Hundertwasser Bahnhofs in Uelzen. Die Fahrt zu der rund 170 km entfernten Grünen Zitadelle in Magdeburg startet gegen 11 Uhr. Am Abend findet ein Austausch mit lokalen Interessierten aus Magdeburg in der Skylounge der Grünen Zitadelle statt.

VOLLELEKTRISCH MIT VOLKSWAGEN E-GOLF UND RENAULT ZOE

Die gesamte Tour wird von einem e-Golf und einer ZOE fahren. Die Fahrzeuge zählen zu den bekanntesten vollelektrischen PKW in Europa. Für Teilstücke der Tour werden sich weitere Fahrzeuge anschließen.

Das Eintreffen der Tour wird am 17. Juli 2019 gegen 14 Uhr im Kunsthaus Wien erwartet.

TOUR VERFOLGEN:

www.raimund-nowak.eu
www.hundertwasserbahnhof.de
www.facebook.com/raimund.nowak
www.facebook.com/hundertwasserbahnhof

KONTAKT:

Raimund Nowak
raimund-nowak@web.de
www.facebook.com/raimund.nowak
M +49 172.301 33 00

… der erste Tag gehört den Dächern. In Uelzen wurde eine PV- Anlage 1997 als erster Teilstück des Umweltbahnhofs realisiert: Rail and Sun – Bahnhofsdächer produzieren Solarstrom. Vor 20 Jahren war es die größte PV-Anlage Norddeutschlands. Sie sollte Vorbild für alle unbeschatteten Bahnhofs und Gleisdächer sein – kommt sehr langsam in Gang. Später in Wittenberg werden wir wieder auf ein Bahnhofssolardach treffen.

In Uelzen verabschieden wir uns von der superschnellen Ladeinfrastruktur. Auf der Tour werden wir uns sicherlich häufiger danach sehnen …

 

In Magdeburg geben die Dachpflanzen der Grünen Zitadelle ihren Namen. Das Gebäude ist in einem sehr gepflegten Zustand; Wohnungen und Läden alle vermietet. Die anfängliche Durststrecke ist überwunden. Das Hundertwasser Gebäude gehört zu mittlerweile zu den festen Größen der Landeshauptstadt.

Ich habe neue Kontakte geknüpft: Yevgen Mykhalchenko kommt aus der Ukraine und unterstützt die Sängerin und ESC Siegerin Ruslana bei ihrer Kampagne Erneuerbare Energie weltweit. 

Ulrich Narup organisierte für uns eine Führung durch das Gebäude sowie die anschließende Diskussion in der Sky-Lounge über die Motive der Hundertwasser-Architektur sowie den Beitrag der Kunst zur Unterstützung der Verkehrs- und Energiewende.

Auch in Sachsen- Anhalt sind Ferien. An der Hundertwasserschule empfängt uns der Jochen Kirchner, Bürgermeister der Stadt Wittenberg sowie Ratsmitglieder der SPD: Henrike Heierberg, Reinhard Rauschning, Sven Paul. Wir reden auch darüber, wie die Orte der Hundertwasser Architektur zusammenarbeiten arbeiten könnten.

Abends bin ich bei dem Sommerfest der Grünen. Europaabgeordneter Sergej Lagondinsky erklärt die Probleme der Konstituierung der neuen EU Kommission und des Parlaments. 

… in aller Herrgottsfrühe von Wittenberg nach Selb. Dort warten im FabrikCafe von Rosenthal wunderbare Gesprächspartner – Dieter Baumgärtel und Dietrich Müller. Dietrich Müller, ehemaliger Vorstandsvorsitzender der Rosenthal AG, erzählt von den Motiven Philip Rosenthal, mit weltbekannten Künstlern zu arbeiten: Es begann mit Musik. Louis Armstrong trat in der Fabrik auf. Walter Gropius gestaltete das Fabrikgebäude und dann kam Hundertwasser. In der Rosenthal AG zählte die Meinung der Beschäftigten. Die wollten keine Hundertwasser Kunst, sondern lieber gute Parkplätze. Beides wurde umgesetzt. Die Grünen in der Stadt fragen, warum so wenig über das Umweltengagement Hundertwassers bekannt ist. Soll sich nun ändern .

Die Kuchlbauer Brauerei hat mit dem nach Plänen von Hundertwassser durch den Architekten Peter Pelikan realisierten Turm einen besucherstarken Anziehungspunkt geschaffen. Im ebenfalls von Pelikan gestalteten angrenzenden Kunsthaus befindet sich die größte Sammlung von Hundertwasser Werken außerhalb Wiens. Dem ökologischen Engagements Hundertwassers wird hier viel Platz eingeräumt.

Eindrucksvoll auch der Nachbau seines Arbeitszimmers und dann steht da noch die Velo Solex mit der der Künstler seinerzeit durch Wien gefahren ist.  Im Kunsthaus kann ich die Passage der „Wünsch dir was–Sendung“ von 1972 sehen. Die Sendung, in der Hundertwasser sein Architektur-Modell mit den Elektroautos im Keller vorstellt. Peter Rickinger von der Kuchlbauer Brauerei führt mit großer Sachkunde und ebenso viel Herzblut durch die Hundertwasser-Welt und die Brauerei. Strom kommt vom PV-Dach. Vor wenigen Monaten haben sie eine Brauerei gekauft, in der nur Bio-Bier gebraut wird; sehr beeindruckende Tatkraft. Mit Magdalena und Richard Zieglmeier, beide im Rat von Abensberg für BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, diskutieren wir über Elektromobilität und die Bedingungen der lokalen Umweltpolitik. Der Chef des Tourismusverbandes Kehlheim ist sehr an der Hundertwasser Tour zu nutzen. 🙂

In Linz steht – etwas verloren – ein Brunnen in der Fußgängerzone. Steht Trinkwasser dran, nicht Hundertwasser! Strom vorher bei Lidl in Ybbs.

Wien will weniger Autos in der Stadt. Auch Elektroautos beanspruchen in der kompakt gebauten Stadt Platz, der anders genutzt werden kann. Diskussion mit den ambitionierten Stadtplanern Kurt Mitringer und Udo Häberlin  auf dem Dach des Kunsthauses Wien mit der Eva Engelberger. Könnte keinen passenderen Ort für eine Auseinandersetzung über die ökologischen Motive Hundertwassers und seiner Aktualität für die heutige Stadtplanung geben, als der Dachgarten vor der Wohnung Hundertwassers selbst. Zum Abschluss nach Spittelau. Das sichtbarste Hundertwasser – Gebäude in Wien. Müllverbrennung, Fernwärme und (jetzt im bedeutsamer) FernKÄLTE. Die Wien-Energie arbeitet mit ökologischem Anspruch. Die Führung zeigt auch, welch gewaltige Müllmassen produziert werden und wie sich Hundertwasser für die Müllvermeidung engagiert hat. Unter dem Turm der Anlage nisten Falken.