Für das nächste Jahr plane ich eine Tour mit Elektroautos von Uelzen nach Wien. Stationen sind Architekturprojekte von Friedensreich Hundertwasser. Um die Route festzulegen, besuche ich in den nächsten Monaten die Orte, in denen der im Jahr 2000 verstorbene Künstler seine Ideen vom Bauen umsetzen konnte. Was ich erlebe schreibe ich in diesem Blog

14. Juli 2018

Ich fahre von Hannover nach Magdeburg. Für den vollelektrischen Golf sind 150 km Distanz kein Problem. Bei disziplinierter Fahrweise hätte ich es an diesem Tage ohne Zwischenzuladen auch wieder zurück geschafft.

Strom für die Weiterreise bekomme ich nicht im Hotel der GRÜNEN ZITADELLE, aber vor dem MARITIM. Die Ladesäule besitzt den Charme eines Werkzeugkastens, erfüllt jedoch einwandfrei ihren Dienst. Weil die Energie verschenkt wird, esse ich dort eine Portion Spaghetti, die sehr ordentlich schmeckt. Hotels und Restaurants sollten Lademöglichkeiten für Elektroautos schaffen. Bei geschickter Dimensionierung kann sich dies sogar heute schon rechnen. Die Stadtwerke Magdeburg bieten in der City-Tiefgarage einen künstlerisch gestalteten Ladeplatz mit einer simplen Schukodose nur für Kunden. Eine (mit Verlaub) sehr kuriose Entscheidung. Ich kenne einen der Geschäftsführer noch aus der Zeit als er mit altem Volvo grüne Politik machte. Werde ihm schreiben.

Das Hotel in der Grünen Zitadelle scheint gut frequentiert und fühle mich ein bisschen so, als würde ich im Uelzener Hundertwasser Bahnhof schlafen. Für mich ist dies eine gute Einstimmung auf die folgenden zwei Tage. Im der Grünen Zitadelle hat auch ein Theater seine Spielstätte. Hier würde ich im nächsten Jahr gerne eine Veranstaltung machen. Thema Baukultur? Mal sehen.

15. Juli 2018

Heute wird mal ordentlich eAuto gefahren. Von Magdeburg bis Regensburg – knapp 500 km.

Durch das eAuto-Fahren lerne ich die Raststätten kennen; sie sind für mich allerdings die mit am hässlichsten Orte des Landes.

Auch die Ladesäulen machen optisch wenig her. Sie würden sich bestens als Botschafterinnen einer umweltfreundlichen Antriebsart eignen; mit Solardächern, auffälligen Bodenmarkierungen und bepflanzt. Stattdessen finde ich hier Blechkästen, die zum Beschmieren einladen und ohne Regenschutz sind; auf den großen Plätzen oft schwer zu finden. Wo bleibt die Schönheit?

 

In Österreich hat Hundertwasser in » Bad Fischau eine Raststätte realisiert.

Zum Glück funktionieren alle Ladesäulen auf den Raststätten und Autohöfen auf meinem Weg – und sie sind frei. Ich treffe einen Hyundai IONIQ-Fahrer aus Thüringen, der noch nie mit einem anderen Elektroautofahrer gesprochen hat. Ich bin ein wenig gerührt. Ich erzähle nichts von meiner Mission, weil er einfach mal jemanden braucht, der ihm zuhört. Er ist ein Sparfuchs; er hat seinen Sommerurlaub mit sieben Euro Stromkosten bestritten.

In Regensburg gehe ich in das » Hotel Green Spirit, weil sie dort mit Lademöglichkeiten für Elektroautos werben. Die Geschäftsleitung selbst fährt TESLA und die Tiefgarage hängt voll mit Wallboxen. Als Vielreisender möchte ich einigen Hotelbetreibern einen Bildungsurlaub in diesem Hause empfehlen. Nicht nur wegen der Offenheit gegenüber der Elektromobilität.

16. Juli 2018

Gut 40 km von Regensburg entfernt, liegt die 15.000 Einwohner zählende Kleinstadt Abensberg. Nicht zu übersehen der Turm der Kuchlbauer Brauerei im Hundertwasserstil. Realisiert hat dieses Bauwerk » Peter Pelikan, der viele Bauwerke nach Plänen von Friedensreich Hundertwasser als Architekt ausgeführt hat.

Anders als in Magdeburg bin ich hier angekündigt. Ich treffe mich mit den Inhabern der Kuchlbauer Brauerei, Leonhard Salleck und Hans-Peter Rickinger. Letzterer ein Mann, der viel über Hundertwasser Kunst weiß und der voller Ideen ist, die nicht in ein einzelnes Managerleben passen. Salleck überrascht mich mit seinen Philosophiekenntnissen. Da ich einige Jahre in Hannover das Festival der Philosophie mitverantwortet habe, schweifen wir schnell ab. Ich hatte bisher keine Vorstellung davon, was für Menschen eine mittelständische bayerische Brauerei führen; Herr Salleck wird nicht der typische Vertreter sein. Ich mache ein Foto von seinem Büro.

Hans Peter Rickinger führt mich durch das Kunsthaus und auf den Turm. Hatte das Gefühl, wir hätten noch drei weitere Tage reden können, ohne uns zu langweilen. Bin sicher, wir werden auf der Tour 2019 eine Station in Abensberg haben … und es wird Philosophie eine Rolle spielen und natürlich auch Mobilität. Vor dem Kunsthaus steht der „Fernwärme Wien Informationsbus“. Der Steyr City Bus wurde 1993 von Hundertwasser im Zuge des Baues des » Wiener Fernwärmewerkes Spittelau gestaltet.

Das Fahrzeug ruft geradezu nach einer  Umrüstung mit Elektromotor. Im Kunsthaus sieht man übrigens die Szene aus der „Wünsch-Dir-Was- Sendung“ aus dem Jahr 1972. Hundertwasser erklärt seine ökologischen Wohnbauten, in denen Elektroautos im Keller geladen werden.

Von Abensberg geht es in die oberfränkische Porzellanstadt nach Selb. Dort an der tschechischen Grenze hat im Jahr 1982 Philip Rosenthal Hundertwasser mit der Gestaltung eines Fabrikgebäudes beauftragt. Ich habe auf der Rücktour wenig Zeit. Es sieht knapp 40 Jahren etwas verwittert aus, darf es aber auch.